Die Sprache der Altkanarier

Die vielen Menschen, die über Jahrhunderte auf den Kanaren lebten ohne Kontakt zu der Außenwelt zu haben, sprachen unabhängig davon auf welcher der Kanarischen Inseln sie sich befanden, dieselbe Sprache. Es gab zwar verschiedene Mundarten und Dialekte, dennoch hatte die Sprache der Ureinwohner den gleichen Ursprung. Heute wird die alt-kanarische Sprache als Guanche bezeichnet, obwohl dieser Name eigentlich den Bewohnern der Insel Teneriffa zugeordnet war. Das Wort Guanche (gesprochen: Guantsche) wurde von den spanischen Eroberern als Bezeichnung für die Einwohner und deren Sprache genutzt und in spanischer Schreibweise niedergeschrieben, muss aber ursprünglich wan Chinet gelautet haben. Es handelt sich also eigentlich um einen altkanarischen Begriff, der aus zwei Worten besteht: wan (= der Mann oder Sohn) und Chinet (= Teneriffa). Aus diesem Grund spricht man heutzutage auch nicht mehr von den Guanchen als Bewohner aller Inseln, sondern von den „Aborígenes“, den Ureinwohnern. Der Begriff Guanche wird korrekterweise heute nur noch als die Bezeichnung der Ureinwohner auf Teneriffa genutzt.

Die Sprache der Altkanarier hat den Namen Guanche allerdings behalten und auch so manches Wort ist bis heute erhalten geblieben oder in die spanisch-kanarische Sprache eingeflossen. Noch heute wird das auf den Kanaren so beliebte, geröstete Mehl gofio genannt und auch der Ziegenbock wird von den heutigen Canarios noch immer als baifo bezeichnet – so wie es die Bewohner der Inseln vor hunderten von Jahren schon getan hatten. Leider gibt es heutzutage aber keine Menschen mehr, die das Guanche noch sprechen. Mit der Spanischen Eroberung der Kanarischen Inseln ist das Guanche langsam aber stetig ausgestorben.

Um einen Einblick in die Sprache der Ur-Canarios zu erhalten, hier ein paar interessante Vokabeln in Guanche:
Tamarant = Gran Canaria
Chinet = Teneriffa
Erbani = Fuerteventura
Titerogakat = Lanzarote
Gomera = Gomera
Benahuare = La Palma
Hero = El Hierro

Mocan = Baum
Cancha = Hund
Ana = Schaf
Ahemen = Wasser
Ahof = Milch
Achimeyce = Mutter

Doch neben der normalen Sprache hatten die Ureinwohner der kanarischen Inseln noch eine weitere Kommunikationsart entwickelt, die es ihnen erleichterte in den Bergen Informationen auszutauschen. Es handelte sich um eine Pfeifsprache. Diese ermöglichte den Altkanariern sich über die vielen tiefen und weiten Schluchten der Vulkaninseln zu verständigen. Auf der Kanareninsel La Gomera hat sich diese Pfeifsprache erhalten. Sie wird „El Silbo“ (span.: der Pfiff) genannt und in den Grundschulen auf La Gomera als Pflichtfach unterrichtet. 1982 wurde El Silbo zudem von der UNESCO auf die Liste der zu schützenden Weltkulturgüter gesetzt.


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