Die Entwicklung der Kanaren nach der Eroberung

Das 15. Jahrhundert

Nach der Eroberung der Kanaren durch die Spanier beginnt die Kolonisierung und Gran Canaria wird durch eine königliche Urkunde direkt der spanischen Krone unterstellt. Die höchste Gewaltherrschaft üben die „Capitanes Generales“ – die Generaloberst – aus und vergeben nicht nur die Nutzungsrechte für das Land, sondern verkaufen auch die Wasserrechte. Im Jahre 1492 landet Christopher Columbus (span.: Cristóbal Colón) auf Gran Canaria, um seine Schiffe „Pinta“ und „Niña“ im Hafen Puerto de la Luz reparieren zu lassen. Ein Jahr später bringt Kolumbus hunderte von spanischen Adligen vom spanischen Festland mit auf die Kanaren. Diese kümmern sich um eine Neuverteilung der Landbesitze und führen eine europäische und vor allem zeitgenössische Regierungsform auf der Insel ein. Nun gibt es auf Gran Canaria einen Inselrat (Cabildo), das Landgericht (Audiencia) und natürlich verschiedene kirchliche Einrichtungen. Das Cabildo besteht aus dem von König ernannten Gouverneur, den Vögten (Regidores) und den Amtsräten (Oficiales concejiles).

Das 16. Jahrhundert

Anfang des Jahrhunderts erreicht auch Gran Canaria die in Europa bereits wütende Ketzerverfolgung der (katholischen) Kirche und in Las Palmas wird ein offizieller Inquisitor ernannt. 1526 geschieht es dann: es werden erstmals drei Personen zum Tode durch Verbrennung verurteilt, weil sie an einem Freitag Fleisch gegessen hatten. Während des französisch-spanischen Krieges überfallen auf einmal französische Korsaren mit Billigung der französischen Regierung zahlreiche kanarische Schiffe und Häfen. 1543 gelingt es ihnen sogar die Isleta-Festung in Las Palmas zu besetzen, sie werden aber von den Milizen wieder zum Abzug gezwungen.

Die Wirtschaft der Kanaren blüht. Zuckerrohr und Wein sind in diesem Jahrhundert die wichtigsten Exportartikel, zudem nimmt Gran Canaria eine wichtige Stellung im westafrikanischen Sklavenhandel ein.

1545 beschließt die spanische Regierung einige Gesetze, die Gran Canaria, aber auch die anderen Inseln betreffen und zum Teil enorm einschränken: der Handel mit Sklaven, Gold und verarbeitetem Silber wird verboten. Auch aus Europa importierte Manufakturwaren dürfen nun nicht mehr nach Westindien weiterverkauft werden. Zudem wird den Schiffshändlern auferlegt auf ihrer Rückfahrt vom Festland auf die Kanaren nach ihrer Beladung mit neuen Waren bei der Handelskammer in Sevilla vorbeizukommen. 1566 wird dann eine Außenstelle der Handelskammer von Sevilla auf Gran Canaria eröffnet.

Weitere Angriffe auf die Isleta-Festung folgen. Eine holländische Flotte mit 74 Kriegsschiffen und 10.000 Mann Besatzung greift im Jahre 1599 dann mit Erfolg Las Palmas an. Nach misslungenen Verhandlungen um ein hohes Lösegeld, plündern die Holländer die Stadt und brennen sie nieder. Las Palmas wird dabei fast vollständig zerstört. Nach vier Tagen ziehen die Holländer unter dem Kommando des holländischen Admirals van der Does ab und gehen bei Maspalomas im Süden der Insel nochmals an Land, um dort ihre Toten zu beerdigen und Wasser zu fassen. Da die Bevölkerung im Süden Gran Canarias die blonden Feinde für Engländer hält, wurde der Landeplatz der Holländer von da an „Playa del Inglés“ – der Strand der Engländer – genannt.

Das 17. Jahrhundert

Durch die neuen Gesetze zur Förderung des englischen Seehandels (Navigationsakte) verhindert England so gut wie vollständig die Belieferung der nordamerikanischen Kolonien mit kanarischem Wein. Dieser Handel war zuvor schon durch die spanische Regierung auf Druck der Handelskammer von Sevilla eingeschränkt worden. Da der Handel mit Wein aber zu einem der wichtigsten Exportartikel geworden war und den Handel mit Zucker längst abgelöst hatte, litt die kanarische Wirtschaft im 17. Jahrhundert schwer unter dieser Situation.

Ende des Jahrhunderts ist die einstige Bevölkerung der Insel, soweit sie nicht in die Sklaverei verkauft wurde, vollständig in die Schicht der spanischen Eroberer aufgegangen.

Das 18. Jahrhundert

Im Jahre 1721 verschärft sich die Wirtschaftskrise aufgrund der Monokultur des Weinbaus, der Vernachlässigung des Getreideanbaus und vieler Missernten. Es kommt aufgrund des katastrophalen Mangels an Getreide zu einer schweren Hungersnot auf der Insel bei der rund siebentausend Menschen, etwa ein Viertel der Bevölkerung, sterben. Ein kleiner Teil der Bevölkerung beschließt nach Amerika auszuwandern und zieht nach Louisiana, wo man den kanarischen Auswanderern den Namen „Isleños“ – „Insulaner“ gibt.

Knapp 60 Jahre später verfügt König Carlos III. von Spanien die Liberalisierung des Handels. Leider zeigt diese Liberalisierung nicht den erwarteten Erfolg und der große, wirtschaftliche Aufschwung bleibt aus.

Das 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts besetzt Napoléon Spanien und setzt den spanischen König ab. Damit schweben die Kanarischen Inseln politisch gesehen im luftleeren Raum, denn die Kanaren werden nicht von Frankreich besetzt. In der alten Hauptstadt Teneriffas, La Laguna, wird daraufhin eine 16-köpfige Ständevertreterversammlung gebildet, die sich als neues Regierungsgremium für die gesamten Kanarischen Inseln ansieht.

Dieses Regierungsgremium bietet Gran Canaria den Eintritt in diesen neuen Regierungsverbund an, doch Gran Canaria verweigert die Kooperation. Das Gremium reagiert prompt auf diese Ablehnung und so werden die Verantwortlichen auf Gran Canaria durch den Militärkommandanten von Teneriffa verhaftet. Dieses führt wiederum zu einem Urteil des Königlichen Landgerichtes in Las Palmas, mit dem das neue Regierungsgremium auf Teneriffa für illegal erklärt wird und das dafür sorgt, dass diesmal der Vorsitzende und der Staatsanwalt in Teneriffa verhaftet wird. Ein Krieg zwischen Teneriffa und Gran Canaria entflammt und die Häfen werden geschlossen. Daraufhin wird auf der Nationalversammlung in Cadiz eine neue Verfassung verabschiedet. Das Parlament der Nationalversammlung beschließt die Beseitigung der Feudalherrschaft der Inseln Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera und Hierro und führt die Stadtverwaltungen (Ayuntamientos) ein.

Heuschreckenplagen und lebensgefährliche Epidemien wüten auf Gran Canaria und wieder sterben viele der Einwohner an Hunger oder Krankheit. 1820 wird Las Palmas dann die neue Hauptstadt Gran Canarias und die Menschen auf der Insel wünschen sich, dass Las Palmas auch bald als Hauptstadt der gesamten Kanarischen Insel benannt wird. Doch zwei Jahre später fällt die spanische Regierung eine Entscheidung zu Gunsten Teneriffas und Santa Cruz de Teneriffa wird höchster Verwaltungssitz der Kanarischen Inselgruppe.

1823 beschließt die Regierung endlich die Abschaffung der Inquisition und schon acht Jahre später erhalten die Kanarischen Inseln einen eigenen Freihandels-Zolltarif. Doch die wirtschaftliche Lage der Kanaren bleibt weiterhin schlecht; Missernten, Heuschreckenplagen und schwere Epidemien setzen der Bevölkerung schwer zu. 1852 erklärt die spanische Königin Isabella II. die Kanaren dann zur Freihandelszone und erhofft sich dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nun werden die Kanaren vermehrt als Zwischenstation für den Handelsweg nach Westafrika und an das Kap Horn genutzt und erleben dadurch einen starken Aufschwung. Und der Hafen in Las Palmas, der „Puerto de la Luz“, wird zu einem der wichtigsten Häfen weltweit. Zur selben Zeit wird unter der Führung von Fernando León y Castillo die Kanarische Liberale Partei (Partido Liberal Canario) gegründet. Sie schafft es bis Ende des Jahrhunderts die gesamten Kanarischen Inseln unter ihre Kontrolle bringen.

Das 20. Jahrhundert

Im Jahre 1906 besucht der spanische König Alfonso XII. die Kanaren und ist somit der erste spanische Monarch, der die Kanarischen Inseln seit Ihrer Zugehörigkeit zu Spanien betritt. 1912 werden auf jeder Kanareninsel Inselräte gegründet und so wird wieder jede Insel von einem eigenen „Cabildo“ verwaltet. Mit diesem Entschluss versucht die spanische Regierung den jahrelangen Streit zwischen den kleinen und größeren Inseln zu beenden – leider vergeblich. 1927 werden die Kanarischen Inseln dann in zwei Provinzen aufgeteilt: die Provinz Las Palmas, zu der nun Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura gehören und die Provinz Santa Cruz de Tenerife, zu der die restlichen Inseln gehören. Damit hofft die Regierung die noch immer andauernden Rivalitäten Gran Canarias und Teneriffas beenden zu können. Doch auch dieser Schritt schafft keinen Frieden zwischen den Inseln.

1930 wird mit dem Bau des Flughafens „Gando“ auf Gran Canaria begonnen; der Flugtourismus entwickelt sich allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst im Jahre 1956 landet auf dem gerade neu ausgebauten Flughafen Gando das erste Charterflugzeug. Der Tourismus beginnt ab diesem Zeitpunkt stetig zu wachsen. 1974 wird Gando dann zum internationalen Flughafen umgebaut, der Massentourismus hält Einzug und bringt für die Kanaren den lang ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung.

Im Jahre 1936 bringt sich aber zunächst der Befehlshaber des Militärbereichs der Kanarischen Inseln in das historische Geschehen ein: General Francisco Franco. Im Esperanza-Wald auf Teneriffa versammelt er sich mit den führenden Offizieren und bereitet einen Militärputsch gegen die Links-Regierung Spaniens vor. Der Putsch des Generals Franco führt in Spanien zum Bürgerkrieg, der erst drei Jahre später mit dem Sieg der Franco-Diktatur beendet wird. In dieser Zeit beginnt eine recht große Auswanderungswelle und viele Canarios machen sich auf den Weg nach Südamerika, um sich größtenteils in Venezuela niederzulassen. Venezuela wird auf den Kanarischen Inseln deshalb auch gerne als „achte Insel“ bezeichnet. Franco ist nun spanischer Staatsführer, Oberbefehlshaber der nationalen Streitkräfte und Chef der faschistischen Organisation Falange und erricht in seinen knapp 40 Jahren Regierungszeit ein diktatorisches, auf Armee, katholischen Klerus und Großgrundbesitz gestütztes Regime. 1975 stirbt der spanische Diktator Franco und Juan Carlos wird sein Nachfolger. Juan Carlos verwandelt Spanien erneut in ein Königreich und führt Spanien in eine parlamentarische Demokratie.

1978 erhält Spanien nach einer Volksabstimmung eine neue Verfassung und wird dadurch zu einer konstitutionellen Monarchie. Eine neue Rechtsverordnung tritt in Kraft, die den Kanarischen Inseln eine provisorische Autonomie verleiht. Der Streit zwischen Gran Canaria und Teneriffa kocht erneut auf. Doch es wird eine neue Regelung gefunden, die den Frieden zwischen den beiden Inseln bringen soll. Die Provinz Las Palmas erhält die Hälfte aller Ministerien und den Sitz des Obersten Gerichtes. Santa Cruz de Tenerife wiederum erhält die andere Hälfte der Ministerien und den Sitz des Parlaments. 1982 bekommen die Kanaren, wie auch die anderen spanischen Regionen, eine eigene Regionalverfassung und gewählte Vertretungskörperschaften. Die Kanarischen Inseln erhalten somit den Autonomiestatus.

1986 tritt Spanien der EG bei und die Kanarischen Inseln erhalten einen Sonderstatus innerhalb der EG. Sieben Jahre später werden die Kanaren voll in die EU integriert und bekommen den Sonderstatus einer Freihandelszone.


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